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Zuwendung und Würde haben Priorität: Daniela Behrens schaute den Altenpflegerinnen im Birkenhof über die Schulter

Awo Birkenhof _1

Lars Hauschildt, Einrichtungsleiter, Senior Franz Skambiaks und MdL Daniela Behrens.

21. Juli 2010 0 Kommentare

Der Umgang mit alten Menschen sagt viel über eine Gesellschaft aus. Respekt, Würde, Zuwendung, Betreuung und Pflege sind die Maßstäbe im Umgang mit unseren Älteren, besonders wenn sie in einer Pflegeeinrichtung leben. Über den Alltag in der Altenpflege informierte sich die SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Behrens nun in der AWO-Einrichtung Birkenhof in Loxstedt. „Ich habe die Pflegerinnen in der Frühschicht begleitet. Das hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen.“

„Einen Tag im Leben“ nennt Daniela Behrens ihre Reihe von Praktika bei öffentlichen Einrichtungen, karitativen Organisationen und Unternehmen. Sie schlüpft dabei für einen Tag in eine ganz andere Rolle – abseits des üblichen Alltags einer Politikerin. Die Altenpflege liegt ihr besonders am Herzen. „Denn dieses Thema muss die Gesellschaft viel stärker als bisher diskutieren. Nicht nur, weil die Zahl der Älteren stark steigt, sondern weil ein würdevolles Leben im Alter ein zentrale Frage für das Gemeinwesen ist“, findet Behrens.

Im Birkenhof schaute sie den Pflegerinnen im Haus 1 über die Schulter. Dort leben vor allem Demenzkranke. „Die AWO-Einrichtung ist für ihre Pflege der Demenzkranken erst vor kurzem vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung mit einer glatten 1 benotet worden. Nachdem ich die Arbeit dort miterleben konnte, kann ich dieses Urteil nur unterstreichen“, meint Daniela Behrens. Die Politikerin beginnt um 6 Uhr und begleitet die Frühschicht. Die Pflegerinnen haben alle Hände voll zu tun: Waschen, Anziehen, Frühstück vorbereiten, Füttern, und, und... Trotzdem strahlen alle eine Gelassenheit und Ruhe aus, die sich auch auf die Älteren überträgt. Neben der pflegerischen Arbeit spielt die Betreuung und Zuwendung eine große Rolle. Denn gearbeitet wird nach der so genannten Böhm-Methode. Denn „vor den Beinen muss die Seele bewegt werden“. Diese Ansicht vertritt der Pflegewissenschaftler Prof. Erwin Böhm und setzt dabei auf ein neues Pflegeverständnis im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen durch die intensive Auseinandersetzung mit der Biographie der Betroffenen. Und so wird im Haus 1 die Vergangenheit der Bewohner wiederbelebt: in Gespräch und durch die Einrichtung der einzelnen Zimmer. „Der Kontakt zwischen Pflegerinnen und Bewohnern ist sehr intensiv. Das hat mich überrascht und berührt.“

Wichtig war Behrens auch die Situation der Pflegerinnen. Der Pflegeberuf ist hart, emotional und körperlich anstrengend. Fast nur Frauen sind darin tätig. Gearbeitet wird im Schichtbetrieb. Die Bezahlung ist im Vergleich zu anderen Berufsgruppen nicht hoch. Schon jetzt ist es schwierig, gute Pflegekräfte zu bekommen. Vor allem examinierte Pflegerinnen sind Mangelware. „Für die Frauen ist es nicht nur ein Job, sondern eine Aufgabe, die sie mit großer Hingabe ausführen. Es ist eine Lebenseinstellung“, sagt Daniela Behrens. Anregungen sind der Politikerin auch mit auf den Weg gegeben worden: Pflegerinnen sowie Hausleitung halten den Umfang der Dokumentation für übertrieben. Dafür gehe zu viel Zeit verloren, die besser für die Betreuung der Älteren genutzt werden könnte.

„Die Hospitation im Birkenhof kann ja nur eine Momentaufnahme sein, um den Alltag in einer Pflegeeinrichtung besser nachzuvollziehen. Die Gespräche mit Pflegerinnen, Hausleitung sowie Bewohnern haben mich tief berührt. Ich kann die Situation in der Pflege nun besser einschätzen und nachvollziehen“, fasst die Abgeordnete ihr Praktikum zusammen.

Für Daniela Behrens war der Besuch im Birkenhof auch eine Vorbereitung für den weiteren Dialog rund ums Thema „Qualität der Altenpflege“. Den will die SPD-Landtagsabgeordnete unter dem Motto „Gute Pflege für alle – Wertvolle Pflege sichern“ im Herbst beginnen. Die Zukunft der Pflege und die Probleme von Pflegeeinrichtungen stehen dabei im Mittelpunkt. „In den nächsten zehn Jahren wird nach vorliegenden verlässlichen Prognosen die Zahl der pflegebedürftigen Menschen stark ansteigen. Experten sprechen von einer 20prozentigen Steigerung. Daraus ergeben sich große Herausforderungen für die Gesellschaft und die Pflegeeinrichtungen. So fehlt es zum Beispiel an gut ausgebildeten Pflegerinnen und Pflegern“, so Behrens. Sie will über die Situation mit den Einrichtungen, Trägerorganisationen und mit den Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen ins Gespräch kommen. Dabei wird es auch um das Thema häusliche Pflege gehen. „Ich möchte mit Experten und Betroffenen zusammen unsere Vorschläge zur Verbesserung der Pflege in Niedersachsen entwickeln“, erklärt die Sozialdemokratin.

Mehr Infos zum AWO-Altenpflegezentrum Birkenhof

Zum Hintergrund:
Den Alltag der Menschen kennen lernen und im Auge behalten, abseits von den üblichen Fragen und Mechanismen der Politik. Diesen Anspruch hat sich Daniela Behrens gesetzt. Regelmäßig nimmt sie sich Zeit und schlüpft für einen Tag in eine ganz andere Rolle - und arbeitet mit bei karitativen Organisationen, Einrichtungen oder im Betrieb. "Denn", so die Landtagsabgeordnete, "ich will wissen, was die Menschen bewegt und was sie betrifft in ihrem Alltag und bei der täglichen Arbeit."

Wer Daniela Behrens zur Mitarbeit einladen will, kann sich ans Wahlkreisbüro (Tel. 04746 – 727955, eMail: buero@daniela-behrens.de) wenden.

Weitere Informationen zum Projekt "Einen Tag im Leben"


    Familie     Niedersachsen     Sozialstaat

 

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